Um es vorweg zu sagen: die erste Ausgabe des „Zeit Magazins Mann“ ist nicht etwas für jeden. Aber das ist vielleicht auch seine besondere Stärke: es spricht eher die gebildete Mittel- und Oberschicht an. Aber warum nicht? Dort gibt es bekanntlich ja auch Männer! Und für diese Leserschicht gab es meines Wissens bisher nichts Adäquates auf dem Zeitschriftenmarkt. Das Magazin schafft jedenfalls den Spagat zwischen Life-Style und relevanten Themen rund ums Mannsein. Mode-Tipps und schicke Design-Gegenstände für den Mann, hervorragend in Szene gesetzt, laden das Heft zum Durchblättern ein.
Man kann aber auch darin lesen. Z.B. ein interessantes Portrait des Schauspielers und zweimaligen Oscar-Gewinners Christoph Waltz mit der nachdenklich stimmenden Aussage, man könne eine Sache vielleicht erst richtig gut, wenn man sie zwanzig Jahre lang gemacht habe. Es gibt eine Rubrik über persönliche „Helden“ als Vorbilder, kleine Portraits von Männern, die sich in einem Handwerksberuf gefunden haben, eine Geschichte über Bodo Bruemmer, der mit 96 Jahren noch einmal etwas Neues angefangen hat, nämlich eine Winzerei zu gründen und ein Portrait eines jungen Mannes, der mit etwas aufhört: Marcell Jansen, der mit 29 den Profi-Fußball an den Nagel gehängt hat.
Das Magazin ist sogar nicht „frauenfrei“, (was klischeehaft eher typisch zu sein scheint, aber nicht so, wie man/frau denkt). Witzig zu lesen ist beispielsweise der Fahrtest eines Luxusautos durch eine Frau. Und unter der Rubrik „Die Männer meines Lebens“ ist ein Interview mit Gisela Getty zu finden, einem „Blumenkind“ der Kommune 1 der 70er Jahre. Auch die Frauen kommen unverkrampft und „cool“ rüber.
Ja, das Magazin greift Männerklischees auf, aber sie werden nicht auf eine abgedroschene Art bedient. Es kommen viele nachdenkliche Männer zu Wort und meistens gibt es keine gestanzten und verkrampften Antworten auf die Frage, was den Mann zum Mann macht. Vielmehr steht im Mittelpunkt des Interesses, was den Mann zum Menschen macht. Die unterschiedlichen Antworten auf diese Fragen machen Freude, ihnen nachzugehen.
Eine 1a Leseempfehlung kann ausgesprochen werden, auch wenn der Preis von 8,50 € eine recht hohe Kaufhürde darstellt.

Dr. Andreas Heek