Ylva Eggehorn, Wo die Löwen wohnen. Männer in der Bibel. 14 Porträts. Herder, Freiburg –Basel – Wien 2009. ISBN 978-3-451-32254-9. 179 Seiten, € 14,95.

 

„Ein Blick auf biblische Männergestalten mit den Augen einer Schriftstellerin, Ehefrau und Mutter“, kündigt der Klappentext an. Nach ihrem gleichfalls bei Herder erschienenen Buch über biblische Frauengestalten wendet sich die schwedische Autorin also jetzt den Männern zu. 14 Porträts sind es geworden. Darunter befinden sich die „üblichen Verdächtigen“ wie Jakob, David, Jeremia, Josef, Petrus und Paulus. Aber auch dem Liebhaber im Hohen Lied hat sie ein eigenes Kapitel gewidmet. Ebenso Henoch, der in der biblischen Urgeschichte lediglich an einer Stelle Erwähnung findet. Von einer „Entdeckungsreise in ein (zumindest teilweise) unbekanntes Land“ (S. 7) spricht die Autorin im Vorwort und von ihrer Neugierde, sich mit diesen alten Männergeschichten zu beschäftigen. Sie tut es – und das wird auf jeder Seite spürbar – nicht aus historischem oder literarischem Interesse, sondern um etwas über Männer heute zu erfahren, über ihr Leben, ihre Beziehungen, ihre Spiritualität. Und ich sage es gerne: Es lohnt sich und ist spannend, ihr auf ihren Entdeckungsfahrten zu den biblischen Männern zu folgen. Weil ihre Sprache so unprätentiös und zupackend ist und so gar nicht pastoral oder belehrend daherkommt (was auch natürlich Verdienst des Übersetzers ist). Weil ihre Beobachtungen an den Texten so treffend und auch ausgesprochen originell sind. Und schließlich, weil das, was sie aus den Texten an Wichtigem und Wesentlichem für uns heute herausdestilliert, so prägnant und gut nachvollziehbar niedergeschrieben ist.

Ylva Eggehorn ist – auch das ist nochmals zu betonen – keine neutrale Beobachterin, die kühl und nüchtern von außen die Geschichten beleuchtet. Man merkt, wie sie von den Geschichten, die sie nacherzählt, und den Personen, die in diesen Geschichten agieren, gepackt ist. Dabei gesteht sie auch ein, in der Beschäftigung mit diesen Geschichten an Grenzen des eigenen Verstehens zu geraten. Man lese unter diesem Aspekt einmal ihr Kapitel über Jiftach, der in der im Buch der Richter überlieferten Geschichte seine Tochter opfert, weil er sich an ein Gott gegebenes Versprechen gebunden fühlt. Vielleicht ist das Jiftach-Kapitel gerade deshalb eines der stärksten Porträts in diesem Buch.

In der Reihe der mittlerweile doch zahlreicher gewordenen Bücher zu biblischen Männergestalten, die zumeist aus der Feder von Theologen stammen (man denke nur an Anselm Grüns biblisches Männerbuch), setzt dieses Buch der schwedischen Schriftstellerin ganz eigene Akzente. Gut, dass der Herder-Verlag dieses Buch in deutscher Übersetzung anbietet. Eine dicke Lesempfehlung und ein schönes Buchgeschenk!

 

Andreas Ruffing